Beim Zappen die Schweiz entdecken
Die NZZ schrieb vor einem Jahr in der Berichterstattung über die nationale Tagung für einen landesweiten TV-Kanal: Man darf annehmen, dass die Diskussion um einen Kulturkanal schnell versanden wird. Weit gefehlt! Damals wurde das Interesse erst richtig geweckt. Es gibt kaum eine Person in der Schweiz, die einer Wiederverwertung von qualitativ hochstehenden und interessanten Produktionen der verschiedenen Sprachgebiete nicht eine positive Seite abgewinnen kann. Alle sprechen von Mehrwert und diese Möglichkeit, ihn kostengünstig und einfach zu haben, wird ignoriert.
In unserer Geschichte machte das Zusammenspiel der Kulturen bislang eine unserer Stärken aus. Nun wo neue Herausforderungen die Schweiz verunsichern ist es umso wichtiger, verschiedene Haltungen und Lösungsvorschläge aus allen Landesteilen in die Diskussion einzubeziehen. Sprachgewandte Politiker fanden schon bisher den Weg über Rösti- oder Polentagräber, aber wie viele sind es? Nur eine kleine Minderheit kennt die Volksvertreter der anderen Sprachen, von den Bundesräten einmal abgesehen. Und was die unterschiedlichen kulturellen Prägungen betrifft ist es noch schlimmer bestellt: Meistens dominieren Vorurteile gegenüber den Vertretern anderer Landessprachen, wie dies auch der Fall gegenüber Personen mit Migrationshintergrund ist. Noch wichtiger ist wohl die Tatsache, dass sich viele Vorurteile vor allem wegen mangelnden Kenntnissen bilden.
Und nun die Überraschung: Anfangs Jahr hat die Konsumentensendung Kassensturz auf SF 1 Beiträge aus den vergleichbaren Sendungen „A bon entendeur“ und „Patti chiari“ ausgestrahlt, jeweils mit einer deutschen Off-Ton-Übersetzung. Wir konnten mitansehen, wie auch Tessiner und Welsche Gefahr laufen, übertölpelt zu werden. Und wie auch sie sich wehren, Opfer von gerissenen Betrügern zu werden. Genau darum geht es: Die Möglichkeit zu haben, Beiträge, die unsere Miteidgenossen interessieren, auch in den jeweilig anderen Landessprachen sehen zu können. Aus Wirtschaft und Politik, aus Kultur und sogar gute Unterhaltung. Für wenig Geld wird damit nicht nur die idée suisse ihrem eigentlichen Namen gerecht, sondern wir können beim Zappen plötzlich eine Schweiz kennen lernen, die wir anderweitig kaum mehr wahrnehmen.
