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Für ein schweizerisches Arte

Jacques Pilet, Publizist

Was ist mit diesen Leuten los? Das haben sich wohl die Verantwortlichen der SRG SSR idée suisse gefragt als sie hörten, dass eine Gruppe von Persönlichkeiten aus Politik und Kultur, angeführt vom ehemaligen Direktor des Radio und Fernsehens der romanischen Schweiz, Bernard Cathomas, eine neuen nationalen TV-Kanal vorgeschlagen haben, einen gemeinsamen Kanal für alle vier Landesteile.

Die Idee rührt sogar von der Bezeichnung des Mutterhauses her, das das schöne Wort „idée suisse“ im Namen trägt. Cathomas und seine Freunde stellen sich einen Kanal vor, wo man Produktionen und Diskussionen aus allen Landesteilen übertragen würde, alle gut übersetzt. Ein bisschen wie bei Arte.

Wenn man, wie kürzlich in der Sendung Tard pour Bar auf TSR, einen bedeutenden deutschschweizer Schriftsteller wie Charles Lewinsky entdeckt, ist man glücklich, dass er französisch spricht. Wenn er weniger sprachkundig gewesen wäre, hätte man ihn dort nie gesehen.

Wie viele Filme, wie viele qualitativ hochstehende Reportagen, wie viele talentierte Persönlichkeiten kennen wir nicht, nur weil sie nicht mehrsprachig sind? Einen Fernsehraum zu schaffen wo diese Hürden überwunden werden würde eine schöne Herausforderung sein.

Die Kosten eines solchen Kanals wären gering, weil dieser aus den Schätzen der vier existierenden Studios schöpfen könnte. Und die Übersetzer würden das Budget nicht explodieren lassen. Wenn man sich schon die Mühe gibt, einen Teil der Sendungen für Hörbehinderte – und das ist gut so – zu untertiteln, warum den Ehrgeiz nicht noch etwas höher ansetzen...

Natürlich interessiert ein solches Angebot nur einen Teil der Zuschauer. Aber andere Angebote der SRG sprechen auch nur Minderheiten an. Jede elitäre Wahlmöglichkeit zu verhindern beschneidet die Intelligenz einer Bevölkerung.

Ein solches Projekt kann nicht allein „die Schweiz retten“ oder „das Abdriften der Sprachregionen bremsen“, wie dies gewisse beunruhigte Patrioten möchten. Übertreiben wir nicht. Die Absicht ist viel einfacher: dass die Schweizer ihre eigenen Talente kennen lernen, über die Sprachgrenzen hinweg, mit einer offenen Haltung gegenüber unseren Nachbarn und der weiten Welt.