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Der Traum vom weiteren SF-Kanal

03.06.2010 | Tages-Anzeiger

Das Schweizer Fernsehen mache zu wenig für den nationalen Zusammenhalt. Das findet der Ständerat. Ein neuer TV-Kanal soll dies ändern. Doch SRG und Bundesrat Leuenberger stellen sich quer.

Gestern Mittwoch hat der Ständerat eine Motion des CVP-Ständerats Theo Maissen gutgeheissen. Der Bündner fordert, dass die SRG gewisse TV-Sendungen für alle vier Sprachregionen zugänglich machen soll.

Bereits ausgestrahlte Sendungen sollen jeweils in den anderen Landessprachen synchronisiert oder untertitelt und daraufhin auf einem speziellen TV-Sender gezeigt werden. Damit sollen, so Maissen an der gestrigen Session, «die attraktivsten und interessantesten Sendungen aller Themenbereiche in den vier Landesteilen für alle zugänglich gemacht werden.» Nicht nur kulturelle, sondern auch wirtschaftliche, gesellschaftliche und politische Beiträge.

Leuenberger gegen neuen TV-Kanal

Nun hat der Bundesrat zwei Jahre Zeit, einen entsprechenden Vorschlag auszuarbeiten. Auf einen eigenen TV-Kanal dürften die Befürworter der Motion jedoch vergebens hoffen. Medienminister Moritz Leuenberger findet zwar, die Motion sei «verführerisch». Einen eigenen Kanal hält er jedoch für problematisch.

Kanäle mit mehrsprachigen kulturellen Angeboten würden Gefahr laufen, eine Ghettoisierung wertvoller integrativer Beiträge zu fördern. «Ich bin sehr mit dem Inhalt der Motion einverstanden, ein neuer Kanal scheint mir aber nicht der richtige Weg zu sein», sagte Leuenberger in der gestrigen Session.

«Publikum lehnt eins zu eins übersetzte Sendungen ab»

Auch bei der SRG will man nichts von einem integrationsfördernden TV-Kanal wissen. «Ein neuer Fernsehsender macht keinen Sinn und ist ausser Diskussion», sagt SRG-Sprecher Daniel Steiner unmissverständlich. Transnationale Programme würden höchstens bei Grossanlässen wie den Sports Awards oder der Miss-Schweiz-Wahl funktionieren, sonst nicht. «Das Publikum lehnt eins zu eins übernommene, übersetzte Sendungen aus anderen Sprachregionen mehrheitlich ab.» Ausserdem liege ein neuer TV-Kanal in der jetzigen finanziellen Situation sicher nicht drin.

Einer der Hauptknackpunkte sind also die Finanzen. Genau diese will Theo Maissen mit seiner Idee jedoch optimieren. «Mit bescheidenem Aufwand und verhältnismässig geringen Kosten könnte mit einer Weiterverwertung von teuer hergestellten und qualitativ wertvollen Inhalten ein Mehrfachnutzen erzielt werden», schreibt er in seiner Motion.

SRG will keine Kostenauskunft geben

Wie viel würde es denn kosten, eine Sendung für andere Sprachregionen aufzubereiten? SRG-Sprecher Daniel Steiner will dazu keine Stellung nehmen. «Wir versuchen einen anderen Weg zu gehen. Deshalb macht es keinen Sinn, jetzt mit Zahlen aufzufahren, wie viel eine Untertitelung oder eine Synchronisation einer Sendung kostet.» Maissens Motion dürfte zum Scheitern verurteilt sein, obwohl der Ständerat sie gutgeheissen und Moritz Leuenberger sie grösstenteils unterstützt. Zumindest was den eigenen TV-Kanal anbelangt.

Der SRG schwebt eine andere Lösung vor, um den nationalen Zusammenhalt der Sprachregionen zu fördern. «Sinn machen vermehrte Berichte über die anderen Sprachregionen in den bestehenden Programmen, aber sie müssen so aufbereitet sein, dass Fernsehzuschauer und Radiohörer sie annehmen», sagt Steiner. Sendungen im Stile von «Romandie/Tessin aktuell» auf DRS1 seien auch fürs Fernsehen denkbar. Dass die Motion in ein Gesetz münden könnte, daran glaubt er nicht: «Ein Auftrag dieser Art wird kaum erfolgen. Bundesrat Leuenberger hat sich dagegen ausgesprochen.»

(Denise Jeitziner, Tagesanzeiger.ch/Newsnetz)