Home / Idee / Stimmen / Medienstimmen / 2010 / Chasper Pult will TV-Kanal für den nationalen Zusammenhalt

Chasper Pult will TV-Kanal für den nationalen Zusammenhalt

07.03.2010 | Südostschweiz

Ein neuer Schweizer TV-Kanal - idéeplus - soll das Verständnis zwischen den Sprachregionen verbessern. Promoter Chasper Pult rechnet mit Kosten von rund acht Millionen Franken jährlich.

Chur. - Chasper Pult hat gestern über sein Projekt eines neuen TV-Kanals, idéeplus, informiert (siehe Kasten). Das neue Sendegefäss soll zukünftig helfen, die gegenseitige Wahrnehmung der schweizerischen Sprachregionen zu verbessern und die interkulturelle Verständigung zu verbessern. Der neue Kanal soll dabei keine eigenen Sendungen produzieren, sondern bereits ausgestrahlte TV-Beiträge wieder verwerten und diese - in den jeweils anderen Landessprachen untertitelt oder synchronisiert - erneut ausstrahlen, so Pult weiter. Diese Aussagen machte er anlässlich der Literaturveranstaltung «4+1 translatar tradurre übersetzen traduire» im Churer Marsöl.

Kenntnis über Schweiz schwindet

Es gebe nach wie vor eine nationale Identität in der Schweiz. Das sagte der Medienwissenschaftler Roger Blum bei der Projektpräsentation. Allerdings würde das Wissen über die anderen Landesteile und Sprachregionen abnehmen. Nur drei Prozent der schweizerischen TV-Konsumenten würden Sendungen in anderen Landesprachen konsumieren; in der Mehrheit der TV-Zeit würden vielmehr Sendungen ausländischer Privatstationen konsumiert. Entsprechend sei die Deutschschweizer Bevölkerung über die deutsche Politik besser informiert als über das Geschehen in der Romandie oder im Tessin. Für ein Land mit vier Landessprachen sei das «eine triste Situation». Abhelfen könne der TV-Kanal idéeplus, um den Romands die Deutschschweiz näher zu bringen und um Deutschschweizern zu zeigen, welche Themen im Tessin diskutiert würden.

Die Bündner Regierung unterstützt das Projekt von Chasper Pult. Ein solcher TV-Kanal sei wichtig für den «Austausch der Kulturen», sagte gestern Regierungsrätin Barbara Janom Steiner. Sie hoffe, dass Pults Idee «irgendwann verwirklicht werden könne».

Vorstösse in Bundesbern

Die jährlichen Kosten für idéeplus seien mit 0,5 Prozent des Gesamtbudgets der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR idée suisse oder umgerechnet rund acht Millionen Franken bescheiden, so Pult. Allerdings wolle die SRG SSR idée suisse nichts von idéeplus wissen, weil das Geld fehle.

Deshalb machen Politiker jetzt Druck. Der Bündner Ständerat Theo Maissen hat mit einer kürzlich eingereichten Motion vorgespurt. Sein Vorstoss, der von 21 Ständeräten aus allen Landesteilen und aus allen Bundesratsparteien unterstützt wird, will den Bundesrat beauftragen, die «SRG SSRG anzuhalten, einen schweizerischen Fernsehkanal zu realisieren». Im Nationalrat wird laut Pult Hans Stöckli, Präsident der zweisprachigen Stadt Biel, einen ähnlichen Vorstoss einreichen.

Nicht das erste TV-Projekt

Sprachwissenschaftler Pult ist in der Schweizer Kultur- und Medienlandschaft kein Unbekannter. Er leitete das Centro Culturale Svizzero der Pro Helvetia in Mailand, war Präsident der Lia Rumantscha und in den vergangenen Jahren untern anderem an (gescheiterten) Projekten für einen romanischen Fernsehkanal und für ein Schweizer Kultur-TV beteiligt. Er könne sich vorstellen, Direktor von idéeplus zu werden, sagt er - schreiben müsse man das aber nicht.

Reto Furter