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«Warum gibts dieses TV nicht längst?»

06.02.2009 | Südostschweiz

Die Schweiz soll einen TV- Kanal erhalten, auf dem ausschliesslich Kultursendungen und Beiträge in romanischer Sprache zu sehen sind. An diesem Ziel arbeitet der Romanischbündner Chasper Pult mit Akribie - und Erfolg.

Chur. - Warum nicht in Anlehnung an den deutsch-französischen Fernsehkanal arte ein «arte helvétique» realisieren? Die Idee stammt von Bernard Cathomas, dem Direktor von Radio e Televisiun Rumantscha (RTR). Aufgenommen wurde sie vom Kulturvermittler und Gymnasiallehrer Chasper Pult, dem langjährigen Präsidenten der Lia Rumantscha. Von der Idee angesteckt ist mittlerweile die halbe Schweiz. So wird Pult am 13. Februar an der Universität Bern unter dem Titel «arte helvétique - ein Kulturkanal für die Schweiz, von der Viersprachigkeit zur idée suisse» eine Tagung für interessierte Kreise durchführen. Angekündigt sind hochkarätige Persönlichkeiten aus Medien, Kultur, Politik und Wirtschaft (siehe Kasten).

Alle sehen alles

Auf dem neuen Kanal würden die bestehenden Kultursendungen der SRG SSR idée suisse mit Untertitelung oder Synchronistation schweizweit verbreitet. Oder anders gesagt: Die von SF, TSR, TSI und Televisiun Rumantscha produzierten Kultursendungen könnten im ganzen Land gesehen werden. «Das gibt der Bevölkerung die Möglichkeit wahrzunehmen, was die Menschen in den jeweils anderen Landesteilen interessiert», sagt Chasper Pult. «Denn man hat festgestellt, dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner der viersprachigen Schweiz medial wechselseitig kaum wahrnehmen.» Letztlich strebt «arte helvétique» denn auch das ehrgeizige Ziel an, den Zusammenhalt des Landes zu stärken.

Dazu kommt, dass die vielen guten Produktionen von SF, TSR, TSI und Televisiun Rumantscha in Zukunft mehrfach genutzt werden können. «Das bringt dem Konsumenten und den oft aufwendig hergestellten Sendungen einen Mehrwert», sagt Pult. «Denn bis heute verschwinden all diese hochwertigen Produkte in den Archiven der Regionalkanäle, was ausserordentlich schade ist.»

Auch Romanen auf dem Kultur-TV

Technisch liesse sich die Verbreitung der Kultursendungen aus allen Sprachregionen über den von den Rätoromanen seit Jahren geforderten eigenen TV-Kanal realisieren. «Da die rätoromanischen Programme nur einen Bruchteil der Sendezeit erfordern, könnte ihr Kanal zusätzlich als nationaler Kultursender genutzt werden», hält Pult fest. Das hätte namentlich für die SRG SSR idée suisse den angenehmen Nebeneffekt, dass das Wesen der «idée suisse» ideal zum Ausdruck käme. Die Absicht, mit dem neuen nationalen Kanal einen intensiven Kultur- und Sprachaustausch in Gang zu bringen, deckt sich laut Pult überdies mit dem Bestreben der Politik, die ausländische Bevölkerung in der Schweiz besser zu integrieren. «Auf dem Kulturkanal könnten auch Sendungen für Migrantinnen und Migranten Platz finden», erklärt er. «Der neue Fernsehkanal würde einen wesentlichen Beitrag zur Vermittlung der nationalen Identität und der politischen Kultur leisten.»

Kosten in überschaubarer Höhe

Mit hohen Kosten für die Aufschaltung und den Betrieb des Kanals rechnet Pult nicht. «Für die Untertitelung von Sendungen stehen der SRG SSR idée suisse seit der Einführung von Sendungen mit Untertiteln für Hörbehinderte sehr gute elektronische Programme zur Verfügung.» Diese könnten auch beim Kulturkanal eingesetzt werden, sodass in diesem Bereich kaum erhebliche Investitionen nötig wären. Eine detaillierte Kostenschätzung könne von der SRG SSR idée suisse schnell erarbeitet werden, wenn das Projekt bei Politik und Kultur auf Interesse stosse, so Pult.

Stiftungen helfen mit

Begonnen hatte alles im März letzten Jahres an der Literaturveranstaltung «4+1 übersetzen traduire tradurre translatar» in Biel. «Da hat Bernard Cathomas die Realisierung eines Schweizer Pendants zu arte präsentiert», erzählt Pult. Nicht nur er war fasziniert. «Alle, die von der Idee hörten, hatten ein Aha-Erlebnis.» Die Reaktion: «Klar, einen helvetischen Kulturkanal. Weshalb gibt es den nicht schon längst?» Grund genug für Pult, eine breitere Diskussion über das Thema zu lancieren.

Zwei Dinge waren nötig. «Ich habe Geld gesucht, und ich habe Partner gesucht.» Er wurde rasch fündig. Über die Stiftung Corymbo, die schon verschiedenen Projekten Impulse verliehen hat, hat Pult eine Geldgeberin für die Organisation einer Tagung mit allen Involvierten gefunden. Unterstützung sagte ihm später auch die Oertli-Stiftung zu. Und in Roger Blum, dem Leiter des Instituts für Kommunikations- und Medienwissenschaft der Universität Bern, erhielt er einen adäquaten Mitstreiter, der gleich noch ein wissenschaftliches Kolloquium zum Thema organisierte.

«Es soll eine Dynamik entstehen»

Für die Tagung vom 13. Februar erhofft sich Pult «eine fruchtbare Mischung aus 'Chropfleerete', Interessenbezeugungen und Solidarität mit Stimuli und Inputs zum weiteren Vorgehen». «Es soll eine Dynamik entstehen», sagt er. Die Chancen, dass es dazu kommt, stehen angesichts der mit lauter Schwergewichten besetzten Teilnehmerliste gut.

Denise Alig