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Medien können nationalen Zusammenhalt fördern
Idee eines Schweizer Kulturkanals.
Die Medien können den nationalen Zusammenhalt fördern, indem sie etwa den Blick für die unterschiedlichen politischen Kulturen in der Schweiz fördern. Zu diesem Schluss kommt die Soziologin Ruth Hungerbühler in einer Studie. Hungerbühler präsentierte ihre Studie am Freitag an der Tagung "helvetisches arte" an der Universität Bern. Im Zentrum steht die Idee eines gesamtschweizerischen Kulturkanals, wie ihn Bernard Cathomas, Direktor von Radio e Televisiun Rumantscha, vorschlägt.
In ihrer Studie analysiert Hungerbühler die Berichterstattung über die verschiedenen Volksabstimmungen zur Einbürgerung und zur Mutterschaftsversicherung. Einerseits nahm sie dazu die entsprechenden Artikel in den zwei auflagenstärksten Zeitungen der drei Sprachregionen unter die Lupe. Auf diese Weise wurden der "Blick", der "Tages-Anzeiger", "24 Heures", "Le Matin", der "Corriere del Ticino" und "La Regione" analysiert. Ausserdem warf Hungerbühler einen genaueren Blick auf die Abstimmungsdebatten bei den drei SRG-Fernsehanstalten.
Hungerbühler kommt zum Schluss, dass in der Deutschschweiz, in der Romandie und im Tessin unterschiedliche politische Kulturen vorherrschen, die sich in den Medien wiederspiegeln. Dies zeige sich in rein quantitativen, aber vor allem auch qualitativen Unterschieden. Überdeutlich zeigt sich letzteres in Hungerbühlers Untersuchung der Argumente von Journalisten und Politikern, die in den Artikeln der sechs Zeitungen auftauchen. So erschienen in den beiden Deutschschweizer Zeitungen zu den Einbürgerungsvorlagen drei- bis viermal so viel Argumente wie in der Romandie und im Tessin, die sich um Ängste vor Ausländern oder bestimmte mögliche Eigenschaften von Ausländern drehen.
Dieser Unterschied könne als Hinweis darauf verstanden werden, dass die Sensibilität für Fragen der Offenheit der Schweiz gegenüber dem Ausland in der Deutschschweiz kleiner sei, schreibt Hungerbühler im Schlussbericht zu ihrer Studie. Auffällig bei der Argumentation in Sachen Mutterschaftsversicherung ist, dass sich diese in den sechs Zeitungen im Verlauf der Jahre immer mehr angeglichen hat. Dies spiegle die Tatsache wieder, dass die Mutterschaftsversicherung bei der letzten Abstimmung im Jahr 2004 in allen drei Sprachregionen angenommen worden sei, folgert Hungerbühler.
Auch die Abstimmungsdebatten in den drei SRG-Fernsehketten weisen deutliche Unterschiede auf. So leiteten das Westschweizer und das Tessiner Fernsehen ihre Debatten zur erleichterten Einbürgerung im Jahr 2004 mit kurzen Filmen ein. Diese Filme beleuchteten Problem aus der Sicht der Immigranten. SF habe dagegen den Blick mit einer symbolträchtigen Einleitung - der Schweizer Pass in der Hand des Moderators - primär auf die Zunahme der Einbürgerungen als Folge des neuen Gesetzes gelegt, schreibt Hungerbühler.
Die Unterschiedlichkeit der untersuchten Mediendiskurse lege nahe, dass die Vermittlertätigkeit der Medien als Teil der politischen Kultur ihrer Sprachregion zu begreifen sei, folgert Hungerbühler. Eine Auseinandersetzung über diese Unterschiede könne dazu beitragen, Spannungen abzubauen und den Zusammenhalt der Landesteile zu fördern.
(sda)
