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Die Diskussion um einen Kulturkanal ist lanciert
Ein helvetischer Kulturkanal ist die Vision von Bernard Cathomas und Chasper Pult. Ihre Verwirklichung hängt vom Verhalten der SRG ab - eine Tagung in Bern soll den nötigen Druck aufbauen.
Es ist kaum jemand denkbar, der dazu Nein sagen kann, trotzdem ist der Weg zur Realisation nicht ohne Hürden: ein neuer TV-Kanal, reserviert für kulturelle Beiträge aus allen Landesteilen, inklusive einem Fenster für Migranten. Gestaltet würde das Programm durch Kultursendungen der einzelnen
Unternehmenseinheiten der SRG - also Schweizer Fernsehen (SF), Télévision Suisse Romande (TSR), Radiotelevisione svizzera di lingua italiana (RTSI) und Radio e Televisiun Rumantscha (RTR) - , jede Sendung würde in alle Landessprachen übersetzt. «Die Verwirklichung der idée suisse», meint Chasper Pult, einer der Promoteren des Kulturkanals, mit Blick auf den Namenszusatz der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft SRG SSR idée suisse. Als Vorbild nennt Pult den deutschfranzösischen Kulturkanal Arte.
Illustre Tagungsgäste
An einer hochkarätig besetzten Tagung am Freitag, 13. Februar, an der Uni Bern soll die Idee konkretisiert werden (im BT). Zu hören sein werden etwa die SF-Direktorin Ingrid Deltenre, der Nationalrat Hans Stöckli, RTSI-Direktor Dino Balestra oder Martin Dummermuth, Direktor des Bundesamtes für Kommunikation. Vorstellen wird die Idee Bernard Cathomas, Direktor von RTR, der vor gut einem Jahr die Idee eines helvetischen Kulturkanals bereits einmal aufs Tapet brachte. Ein erstes Mal Stellung nehmen wird ausserdem Armin Walpen, Direktor der SRG, die dannzumal auch für die Konzeption des Senders zuständig wäre. Bis anhin ist von der SRG nur zu erfahren, dass keine Planungen für einen neuen Sender getätigt würden.
Was meint die SRG?
Pult stösst gemäss eigenen Angaben allerorten offene Türen ein. «Jeder ist sofort total begeistert und fragt, weshalb ein solcher Sender nicht schon längst Realität ist.» Unterstützung erhält die Idee eines helvetischen Kulturkanals auch von Iso Camartin, von 2000 bis 2003 Leiter der Kulturabteilung des Schweizer Fernsehens und seit jeher ein viel beachteter Publizist. «Es ist ein interessanter Versuch, mit wenigen finanziellen Mitteln Sendungen zugänglich zu machen, die sonst nur zu Randstunden laufen», so Camartin.
Tatsächlich würde die Übersetzungsarbeit der einzige grössere finanzielle Posten eines neuen Senders ausmachen, wären doch alle Sendungen bereits vorhanden. Und Übersetzungen seien heute äusserst kostengünstig zu produzieren, meint Pult. Camartin hält auch die technischen Problemen, die eine neuer Sender mit sich bringen würde, für marginal. Eine abschliessende Einschätzung der Meinung der SRG-Geschäftsleitung - in der auch Initiant Bernard Cathomas sitzt - will Camartin nicht abgeben: «In den SRG-Gremien sitzen offene Geister, die ein solches Projekt als interessante Option werten können. Auf der anderen Seite aber auch ängstliche Geister, die den Verlust von Privilegien befürchten könnten.»
Parlamentarischer Weg
Der Zeitpunkt einer Realisierung des Kanals hängt stark vom Verhalten der SRG ab. Stellt sich diese mit Verweis auf knapper werdende finanzielle Ressourcen quer, bleibt nur der Gang durch die politischen Instanzen. So wäre eine Motion im Parlament denkbar, die Bundesrat Moritz Leuenberger dazu aufforderte, der SRG einen entsprechenden Planungsauftrag zu erteilen. Die Tagung in Bern soll nun aber so viel Druck auf die SRG aufbauen, dass sie die Möglichkeit eines neuen Senders nicht von vornherein ausschliessen kann.
Julian Reich
